Keine Einigung für die chemische Industrie

Tarifparteien vertagen Verhandlung über Entgelterhöhungen

Hannover. Ohne Ergebnis haben die Tarifparteien heute die erste Verhandlung über Lohn- und Urlaubsgelderhöhungen in der norddeutschen Chemieindustrie beendet. Die IG BCE verlangt eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um sechs Prozent sowie eine Verdopplung des Urlaubsgeldes. Für Vollzeitbeschäftigte wäre das eine Steigerung auf 40 Euro pro Urlaubstag, für Auszubildende auf 900 Euro im Jahr. Der Arbeitgeberverband Chemie Nord hat in dieser ersten Tarifverhandlungsrunde auf regionaler Ebene kein Angebot unterbreitet.

Sigrid Thomsen

RB Landesbezirksleiter Ralf Becker vor der IG BCE Tarifkommission Nord

Ralf Becker, Leiter des IG-BCE-Landesbezirks Nord und Verhandlungsführer auf Gewerkschaftsseite, begründete die Forderungen mit dem kontinuierlichen Wachstum der Chemieindustrie: „Wir sind bereits auf einem hohen Niveau, und dennoch werden Umsatz und Gewinn jedes Jahr gesteigert. Mehr als drei Viertel der Betriebsräte beschreiben nach einer Umfrage Auslastung, Gewinne und Umsätze ihrer Unternehmen als gut oder sehr gut. Die Lage ist so stabil, dass kurzfristige Störungen der Konjunktur sich nicht auf die Chemieindustrie auswirken. Selbst bei Einfuhrzöllen der USA oder dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union werden ihre Produkte gefragt und gekauft.“ Auch die Beschäftigung sei gewachsen, so Becker.

Weiterentwickeln will die IG BCE auch die Arbeitsbedingungen. „Der technologische und organisatorische Wandel in der Industrie verlangt mehr Flexibilität“, erklärt Ralf Becker. „Doch das muss für beide Seiten gelten. Deshalb fordern wir für die Beschäftigten mehr Zeitsouveränität und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Prozess dieser Veränderungen.“

Die Gewerkschaftsjugend unterstützt die Forderung der Tarifkommission nach doppeltem Urlaubsgeld mit Hashtags für die sozialen Netzwerke: #doppeltsogut und #keinehalbensachen. Doppeltes Urlaubsgeld würde die Ausbildung attraktiver machen und so dem Fachkräftemangel entgegen wirken, war die Botschaft ihrer Aktion zum Verhandlungsbeginn.

 

Am 5. September werden die Tarifverhandlungen in der Chemieindustrie auf Bundesebene in Hannover fortgesetzt.

 

Für Rückfragen und Interviews: Ralf Becker mobil 0151 11344996

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